{Lesungskritik} Reich-Ranicki – Rühmkorf: Der Briefwechsel

Hallo liebe Eulen!

Da ich Literatur doch sehr liebe, und Marcel Reich- Ranicki zu den Meilensteinen der Literatur gehört – wie ich finde –  fand ich eine Lesung, wie er über Literatur spricht, auf jeden Fall „besuchenswert“. Am Ende war es außerdem möglich, die Briefe als Buch zu erwerben.

Hier seht ihr, wie mein Abend war:


Reich-Ranicki – Rühmkorf: Der Briefwechsel

Lesung mit Alexander Ritter und Helge Salnikau

Ein kleines Stück Kultur wiederbelebt

Das Prinz Regent Theater in Bochum lässt ein Stück Kultur zurückkehren. Jetzt, nachdem erst 2008 Peter Rühmkorf und dann 2013 auch der angesehene Literaturkritiker und Förderer Marcel Reich Ranicki gestorben sind, werden ihre Briefe erstmals in dialogischer Form für ein Publikum inszeniert. Dem Hörer wird ein Briefwechsel von Mitte der 80er Jahren bis um 2000 präsentiert. Reich Ranicki war berühmt für seine Art und Weise Literat zu fördern und er war erfolgreich. Peter Rühmkorf ist bis heute einer der bedeutendsten deutschen Lyriker und Essayisten und bekam neben vielen anderen den Georg-Büchner-Preis verliehen. Ein minimalistische Bühnenbild. Die beiden Schauspieler, auf einfachen Stühlen, an einem schwarzen Tisch, mit je einem Glas Wasser und ihren Briefen in der Hand.

Nach einer kurzen Einleitung durch Ralph Köhnen beginnt die Lesung. Die beide Schauspieler, Helge Salnikau und Alexander Ritter, fühlen sich in ihre Rolle. Die Begrüßungen und Verabschiedungen in den Briefen und die Betonung von Ritter und Salnikau sorgen für Lacher im Publikum. Sonst bleibt alles sehr schlicht. Selbst an Gestik fehlt es fast vollkommen. Das Gesagte steht im Vordergrund.

„Warum sind Sie so faul.“

In dem Briefwechsel wird belobigt und gestritten. Reich Ranicki fördert Peter Rühmkorf und hält große Stücke auf seine Werke, gleichzeitig setzt er auch unter Druck und fragt ungeduldig nach weiteren Schriften. Der Literaturkritiker legt offen, dass Literatur belobigt oder kritisiert wird, grade damit sie gelesen wird. Reich Ranicki will „Literatur ermöglichen“ damit es, so wie in Rühmkorfs Fall, „zu guter Literatur“ führt. Rühmkopf äußert erste Bedenken an der Zeitung FAZ – sie habe eine zu enge Brust. Darauf folgt ein Streitgespräch in dem sich grade der FAZ Literaturredaktiosleiter angegriffen und verletzt fühlen. Jahre später folgt ein Brief, der wie einer Versöhnung, nach langem Streit klingt, hier ist aber nicht klar, ob er jemals versandt wurde. Dieser Brief ist der Übergang zu einem wieder neunen, regen Briefkontakt. Anlass zu dem Brief ist das 1999 geschriebene Buch von und über Reich Ranicki. Als Entschuldigung und damit „alles wieder gut“ ist, hatte Peter Rühmkorf zu Reich Ranickis neues Werk eine Rezension geschrieben. Und diesen natürlich gelobt. Ranicki antwortet. Er fordert ein neues Werk, um die gesellschaftliche Freundschaft neu zu demonstrieren. Mit einem positiven Wechsel geht der Briefkontakt dann zu Ende.

Literatur im Fokus

Gerade an dieser minimalistischen Inszenierung wird deutlich, welche Gewichtung die Briefe haben. Keinerlei Bühnenbild lenkt hier ab und das Verständnis des Hörers liegt auf dem Gesagten. Die wiederkehrenden Anreden und Schussteilen zeigen die Intentionen der Schreiber. Ein Einblick in die Freundschaft und Arbeit von zwei großen Literaten. Wer sich für die Art Reich Ranickis und die Hintergründe von Literatur begeistern kann, sollte an diesem Abend in jedem Fall teilnehmen.

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