{Rezension} David Foster Wallace – Schicksal, Zeit und Sprache. Über Wissensfreiheit

Hallo liebe Eulen!

Eine der Rezensionen, an der ich mich in meiner gesamten Zeit am schwersten getan habe, ist die zu David Foster Wallace’s : Schicksal. Zeit und Sprache. Es ist derartig komplex geschrieben und benötig so vieles an Vorwissen, dass mir sowohl Verständnis als auch Beurteilung eher schwer fielen. Trotzdem wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen.


Seitenanzahl: 194 Seiten
Originalverlag: Suhrkamp Verlag

Originaltitel: Fate, Time and Language. An Essay on Free Will.
Erscheinugsjahr: 2012


Der Mensch ist machtlos. Alles ist vorbestimmt.

David Foster Wallaces und seine wissenschaftliche Arbeit über den Determinismus stellen alles auf den Kopf.

Bestimmen wir überhaupt selbst was wir tun? Nach diesem Buch weiß man nicht mehr was man über die menschliche Wissensfreiheit denken soll. In „Schicksal, Zeit und Sprache – über Willensfreiheit“ bringt Suhrkamp eine Sammlung von Kurzkommentare anderer Autor zum biografischen Leben von David Foster Wallace und sein eigenes Werk aus seinem Philosophiestudium zusammen. Parallel zur Abschlussarbeit seines Studiums schrieb der US-Autor seinen Debütroman „Der Besen im System“. Jay Garfield, der Betreuer seiner Abschlussarbeit, findet dazu im Klappentext die richtigen Worte: „In meinen Augen war er ein extrem begabter junger Philosoph, der in seiner Freizeit Romane schrieb. Mir war nicht klar, dass er in Wahrheit einer der begabtesten Romanciers seiner Generation war, der nebenbei philosophierte.“ Ob er dem Roman schreiben wirklich gewachsen ist, stellt sich in seinem jetzigen Werk allerdings die Frage.

„Die Argumentation, gegen die Wallace sich wendet, geht in ihren Grundzügen bereits auf Aristoteles zurück […]“, erklärt Joachim Bromand ausführlich. So weit so gut. Als Philosophiebegeisterte kommt hier der Punkt, an dem man sich auf das Lesen freut und glaubt das Grundverständnis mitzubringen. Weit gefehlt. Der geschilderte Fatalismus von Richard Taylor besagt: „Wenn ein Zustand zu irgendeinem vergangenen, gegenwärtigen oder zukünftigen Zeitpunkt notwendig für das Eintreten eines anderen ist und zu dem Zeitpunkt, da er notwendig ist, nicht vorliegt, wird das Eintreten des Zustands, für den er notwendige Bedingung ist, ohne jeden Zweifel unmöglich“, und tötet alles von dem man hoffte es bis jetzt verstanden zu haben.  Wen Sätze wie dieser bereits abschrecken sollte sich nicht auf das ganze Buch stürzen. Thesen wie diese, werden von Wallace später gleichermaßen widerlegt.

Schicksal, Zeit und Sprache

Während in der Einleitung fünf Autoren das Leben von Wallace skizzieren und die Grundlage zu seinem eigentlichen Essay geben, schildert der Autor selbst in seinem Essay auf etwa hundert Seiten wie weit der Determinismus in Kontrast zum existierenden Fatalismus steht. Kurz kontrolliert der Mensch wirklich selbst was er tut? Hochintellektuell und mit vielen Fachinformationen behandelt Wallace die Ebene zwischen Sprache und Philosophie.

Innerhalb seines Essays macht sich David Foster Wallace Gedanken über die Argumentation von dem von Richard Taylor entworfenen Fatalismus. „Wallace setzt sich dabei nicht direkt mit Aristoteles‘ Argument auseinander, sondern will eine modernisierte Fassung dieses Arguments, die von Richard Taylor vorgeschlagen wurde, als Fehlschluss erweisen und greift zu diesem Zweck auf die Mittel der formalen Logik zurück, die sich gerade mit der Analyse der Gültigkeit von Argumentationen beschäftigt.“ Schlecht ist nur, dass außer einer einseitigen Tabelle keinerlei Erklärungen zur Argumentationsweise innerhalb der formalen Logik fallen. Wallace fragt sich, ob unsere Entscheidungen von Gott gewollt, vom Schicksal vorbestimmt oder von Naturgesetzen festgelegt sind. Dabei nimmt er zwar Rücksicht auf die im Titel geschilderten Aspekte: „Schicksal“, „Zeit“ und „Sprache“ allerdings nicht auf den Leser und seine Erfahrung mit der philosophischen Logik oder dem Determinismus. Am Ende bleibt die Frage, Determinismus, Fatalismus, gottgewollt oder doch intuitiv, Logik oder Naturgesetz? Was kontrolliert den Menschen und was nicht? Besitz er Willensfreiheit?

Will man den Text wirklich verstehen und auch für sein eigenes Leben und Handeln etwas mitnehmen ist es sehr zeitintensiv. Eine Begeisterung für das Thema muss außerdem gegeben sein Es ist frustrierend den philosophischen Gedanken nur mit viel Mühe flogen zu können.

Der Text ist sprachlich geradezu brillant was dem Verständnis zum Verhängnis wird. Wer keinen Wert darauf legt eine Seit drei bis viermal zu lese, sollte die Finger von David Foster Wallace Werk lassen. Was am Seitenanfang erklärt wird, hat man am Ende der Seite vielleicht schon wieder vergessen. Glücklicherweise findet Wallace durch seine Beispiele die Beziehung zum echten Leben, wenn auch diese etwas steif wirken. Abschließend ist zu sagen: In seinem Fachgebiet war er sicher besonders, aber wenn man sich nicht mit der Materie auskennt, nicht zu gebrauchen!

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